Kommunale Hochschulentwicklung

Die Universität Kassel hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung hinter sich. Die ehemalige Gesamthochschule konnte ihre Studierendenzahlen deutlich steigern. Momentan studieren etwa 21.500 Personen an unserer Universität. Die Stadt Kassel profitiert in großem Maße von der Hochschule. Die Universität ist nicht nur Anzugspunkt für junge Menschen, sondern gleichzeitig auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die ganze Region. Doch bei all den positiven Entwicklungen, darf man nicht die Augen davor verschließen, dass es auch Anstrengungen vonseiten der Kommunalpolitik bedarf, um eine weiterhin eine gute Hochschulentwicklung zu ermöglichen.

Wohnungssuche wird schwieriger und teurer – jetzt gegensteuern!

Keine Wohnung gefunden? Miete zu hoch? Soweit wie auf dem Foto soll es nicht kommen! Wir setzen uns für ausreichend Wohnraum ein!
Zwar sind wir in Kassel noch ein gutes Stück von Szenarien wie in München oder Frankfurt am Main entfernt, doch auch in Nordhessen wird die Wohnungssuche schwieriger und teurer. Durch die bereits angesprochenen gestiegenen Studierendenzahlen hat sich die Situation den letzten Jahren merklich verschärft. Schon jetzt stehen jedes Jahr aufs Neue einige Studierende zu Beginn des Semesters ohne eine Wohnung da. Insbesondere kleine Wohnungen für eine Person sind in Kassel knapp. Aber auch all diejenigen, die eine Wohnung gefunden haben, sehen sich mit erheblichen Problemen konfrontiert. Da die Nachfrage deutlich gestiegen ist, berichten viele Studierende von erheblichen Mietanstiegen von teilweise 10 Prozent innerhalb eines Jahres. Viele können sich derartige Preisanstiege schlicht nicht leisten.

Wir sind der festen Überzeugung, dass die Aufnahme und die Weiterführung eines Studiums nicht von der Größe des Geldbeutels abhängig sein darf. Auch die Stadt Kassel kann dazu ihren Beitrag leisten. Wir setzen uns daher für einen Ausbau der sozialen Infrastruktur ein. Dabei fällt aus kommunaler Sicht der „Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel“ (GWG) eine besonders wichtige Rolle zu. Wir machen uns dafür stark, dass die GWG die Schaffung und Modernisierung von preiswerten Wohnungen in der Nähe der Universitätsstandorte (insbesondere dem Campus „Holländischer Platz“) zu einer ihrer Schwerpunkttätigkeiten macht.

Für einen zukunftsfähigen öffentlichen Personennahverkehr!

Neben dem Wohnungsmarkt sind die Auswirkungen der gestiegenen Studierendenzahlen vor allem auch im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu spüren. Die Tram-Linien 1 und 5 sind während der Vorlesungszeiten fast ständig überfüllt. Besonders deutlich wird dies während der so genannten „Stoßzeiten“ – also vor und nach dem Beginn von Vorlesungen und Seminaren. So kommt es häufiger vor, dass einige Studierende auf die nächste Straßenbahn warten müssen, da in der anderen schlicht kein Platz mehr ist. Dies ist umso ärgerlicher, da manche Studierende schnellstmöglich an einen anderen Hochschulstandort (z. B. Ing.-Schule in der Wilhelmshöher Allee) fahren müssen, um dort an der nächsten Uni-Veranstaltung teilzunehmen. Diese Situation schadet der Attraktivität der Universität Kassel. Immer mehr Studierende fragen sich, wieso sie einen ständig steigenden Beitrag für das Semesterticket (ÖPNV-Fahrkarte) entrichten müssen, wenn die Bahnen heillos überfüllt sind. Als Eigentümerin der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) steht die Stadt Kassel hier in der Verantwortung. Wir setzen uns für eine Entspannung der Straßenbahn-Situation am Holländischen Platz ein. Es müssen dringend mehr Straßenbahnen den Holländischen Platz anfahren. Dies könnte zum einen durch den Einsatz neuer Trams und zum anderen dadurch geschehen, dass die RegioTrams über diese Haltestelle fahren.

Außerdem ist die Haltestelle „Holländischer Platz/Universität“ mit ihren schmalen FußgängerInnen-Streifen dem Studierendenanstrum nicht gewachsen. So überqueren täglich mehrere tausend Menschen eine sechsspurige Straße. Die Unterführung ist für die meisten aus Gründen der Barrierefreiheit, Sicherheit und Zeit keine Alternative. In der Folge entstehen durch leichtsinnige FußgängerInnen oder unaufmerksame AutofahrerInnen nahezu täglich lebensgefährliche Situationen. Leider kam es in der jüngeren Vergangenheit bereits zu Personenschäden. Zwar wurde bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches nach möglichen Alternativen suchen soll, doch wartet man auf konkrete Maßnahmen bislang vergebens. Wir setzen uns daher dafür ein, dass schnellstmöglich konkrete Planungen hinsichtlich einer Verlegung der Haltestelle aufgenommen werden.

Keine Straße durch den Campus – Moritzstraße sperren!

Zwar wurde die Moritzstraße noch nicht zum "Tatort", Gefahrenpunkt und Baustellenhindernis ist sie aber in jedem Fall! Wir fordern die Sperrung der Straße!
An der Moritzstraße entsteht derzeit das so genannte „Hörsaal- und Campus-Center“ (HCC) der Universität Kassel. Dieses Gebäude ist dringend notwendig, um die Überbeanspruchung der Kapazität der Universität teilweise auszugleichen. Doch leider werden die Bauarbeiten durch den nach wie vor zugelassenen Kraftfahrzeugsverkehr immer wieder behindert. Nachdem auf diese Weise die planmäßige Fertigstellung des HCC nicht gewährleistet werden kann, hat der Senat der Universität einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der die Stadt Kassel aufgefordert wird, die Moritzstraße komplett zu sperren.

Darüber hinaus stellt die Moritzstraße seit langem einen Gefahrenpunkt dar. Durch das hohe Verkehrsaufkommen ist es fast unmöglich die Straße gefahrlos zu überqueren. Nachdem bereits heute viele universitäre Veranstaltungen in den so genannten „Systembauten“ an der Moritzstraße stattfinden, ist es notwendig, dass täglich mehrere hunderte bis tausende Studierende die Moritzstraße überqueren. Durch die in den nächsten Jahren geplante Campus-Erweiterung wird sich das Fußgängeraufkommen zudem noch vervielfachen. Die HCC-Baustelle sorgt ferner dafür, dass die Straße schlechter einsehbar ist. Die Folge ist eine nochmalige Erhöhung des Gefahrenpotentials für die Fußgängerinnen und Fußgänger.

Zwar ist die Moritzstraße bereits als „Tempo 30“-Zone ausgewiesen und es existieren bauliche Maßnahmen, die die Geschwindigkeit der Fahrzeuge verringern sollen. Doch leider führt dies nur bei den wenigsten Fahrerinnen und Fahrer auch wirklich dazu, dass sie mehr Rücksicht auf die Fußgängerinnen und Fußgänger nehmen. Vielmehr sorgt die aktuell teilweise nur einseitig befahrbare Straße dafür, dass Viele die Straße möglichst schnell durchfahren möchten, um nicht entgegenkommende Fahrzeuge zu behindern. Es wird also deutlich, dass der erste ernstzunehmende Unfall nur eine Frage der Zeit sein kann. Daher sollte unserer Auffassung nach die Stadtverordnetenversammlung unbedingt bereits heute präventiv eingreifen.

Die Moritzstraße ist aufgrund der „Tempo 30-Zone“ höchstens als Quartiererschließungsstraße zu bezeichnen. In Wirklichkeit wird sie von vielen Fahrerinnern und Fahrern aber als Abkürzung und Entlastungsstrecke für die Kreuzung am Holländischen Platz verwendet. Dieses Verhalten ist aus Zeitersparungsgründen zwar durchaus nachvollziehbar, jedoch können wenige Minuten Zeitersparnis nicht die Maxime von verantwortungsvoller Kommunalpolitik sein. Im Gegensatz dazu ist die Universität Kassel ein wesentlicher Standortfaktor für die Stadt Kassel und die umliegenden Kommunen. Aus diesem Grund setzen wir uns für die Sperrung der Moritzstraße ein.

Familienfreundliche Hochschule – ausreichend Betreuungsplätze schaffen!

Die Zahl von Studierenden mit Kind ist in den letzten Jahres deutlich zurückgegangen. Neben dem starken Leistungsdruck, der neben dem Studium keine Zeit für die Kindererziehung lässt, spielen auch die geringen Betreuungsplätze für Kinder eine entscheidende Rolle. Zwar bestehen mit der Kindergruppe „NORA“ und dem „HoPla Kindern“ bereits zwei Kinderbetreuungseinrichtungen direkt am Campus. Doch die beiden Einrichtungen sind vollkommen ausgelastet. Die damit verbunden Wartezeiten sind für die Eltern nicht zu überbrücken. Im Rahmen der Campus-Erweiterung sollen voraussichtlich eine weitere Betreuungsmöglichkeit geschaffen werden. Wann mit der Fertigstellung dieser zu rechnen ist, steht allerdings mehr oder weniger in den Sternen.

Auch wenn primär das Land Hessen über die Finanzierung der Studentenwerke für die Schaffung von Betreuungsmöglichkeiten an der Hochschule zuständig ist, so trifft auch die Stadt Kassel eine nicht unerhebliche Verantwortung. So sind die meisten der Studierenden mit Kind auch Bürgerinnen und Bürger der Stadt, sodass sie als solche auch einen Anspruch auf einen außeruniversitären Betreuungsplatz für ihr(e) Kind(er) haben müssen. Dies gilt insbesondere für Kinder unter drei Jahren. Die Stadt Kassel muss daher das Angebot an Kinderbetreuungsplätze ausbauen. Um Synergien zu nutzen, sollten diese Einrichtungen idealerweise in der Nähe der Hochschulstandorte eingerichtet werden. Die Betreuungsplätze sollen selbstverständlichen allen Eltern offen stehen.

Für eine lebendige Uni – studentische Kultur ermöglichen!

Der Lucius-Burckhardt-Platz mit Fahrradwerkstatt und Café DesAStA ist ein Zentrum studentischer Kultur! Wir engagieren uns für den Erhalt des Platzes und seiner Einrichtungen!
Doch selbst mit der besten kommunalen Infrastruktur bleibt eine Hochschule ein trister Ort, wenn er nicht mit Leben gefüllt wird. Dies ist maßgeblich die Aufgabe der studentischen Kultur. Am Campus Holländischer Platz hat sich mit dem so genannten „Lucius-Burckhardt-Platz“ (LBP) ein Zentrum der studentischen Kultur gebildet. Hier haben sich nämlich die studentische Fahrradwerkstatt sowie das von Studierenden betriebene „Café DesAStA“ angesiedelt. Zudem ermöglicht der LBP eine Öffnung der Universität hin zu den angrenzenden Stadtteilen. Darüber hinaus sorgt das studentische Kulturzentrum K19 für eine Belebung des Campus. Im K19 finden unter anderem Partys, Lesungen, Filmvorführungen und Infoveranstaltungen statt.

Durch die ohne jeden Zweifel dringend benötigte Campus-Erweiterung, müssen jedoch einige Veränderungen vorgenommen werden, um die studentischen Einrichtungen zu erhalten. Hier spielt auch die Stadt Kassel eine Rolle. So musste beispielsweise die studentische Fahrradwerkstatt auf eine städtische Fläche versetzt werden, da sie sich in der Baulogistikfläche des momentan im Bau befindlichen „Hörsaal- und Campus-Centers“ (HCC) befunden hat. Es ist geplant die Fahrradwerkstatt nach Abschluss der Bautätigkeiten wieder direkt an den LBP zu versetzen. Doch es ist noch nicht abschließend geklärt, wie lange die Fahrradwerkstatt auf dem städtischen Grundstück stehen bleiben muss. Wir werden uns daher dafür stark machen, dass die Fahrradwerkstatt solange auf dieser Fläche bleiben kann, bis ein geeigneter Alternativstandort gefunden ist.

Das studentische Kulturzentrum K19 muss schallschutztechnisch optimiert werden, da in unmittelbarer Nähe ein Studierendenwohnheim entstehen soll. Außerdem müssen die Toilettenanlagen abgerissen werden, da sich deren aktueller Standort nicht mit den geplanten Gebäuden in Einklang bringen lässt. Wir werden und dafür einsetzen, dass die städtebaurechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, damit das K19 auch weiterhin als Kulturzentrum genutzt werden kann. Dies schließt – falls notwendig – auch die Änderung des existierenden Bebauungsplans mit ein.

Mehr Partizipation der Studierenden in der Stadtgesellschaft

Die mittlerweile 21.500 Studierenden bereichern unsere Stadt, sie bringen neue Ideen und Perspektiven, die wir für die Entwicklung der Stadt und ihrer Hochschule nutzen wollen. Daher soll die Vertretung der Studierendenschaft mehr in die kommunalpolitischen Entscheidungen eingebunden werden. Bei Entscheidungen, die die Hochschule treffen, müssen der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung nicht nur mit der Hochschulleitung, sondern auch mit den Studierenden Gespräche führen. Die studentische Beteiligung in kommunalen Fragen lässt leider jedoch bislang eher zu wünschen übrig. Wir setzen uns auch auf diesem Feld für eine deutliche Verbesserung ein.

Wir stehen für eine gute Hochschulentwicklung!

Viele Probleme der Hochschulen lassen sich zwar nicht auf kommunaler Ebene lösen, sondern bedürfen entsprechender Reformen auf Landes- und Bundesebene. Doch die eben genannten Punkte zeigen, dass auch die Kommunalpolitik ihren Beitrag für eine gute Hochschulentwicklung leisten kann. Aus diesem Grund forumulieren wir auch unsere Vorstellungen für eine gute kommunale Hochschulentwicklung und versuchen diese Realität werden zu lassen! Wenn du uns dabei unterstützen möchtest schaue doch einfach mal auf unserer „Mitmachen“-Seite vorbei.